Ansätze für die nachhaltige Gestaltung von Logistikstandorten: Beispiele aus dem Projekt Logist.Plus

Erstellt von Martin Franz (Universität Osnabrück), Meike Rohkemper (Wissenschaftsladen Bonn) und Kai-Michael Griese (Hochschule Osnabrück)
Die Logistikwirtschaft benötigt Flächen zur Sicherstellung ihrer Funktionsfähigkeit, gleichzeitig ist sie von Landnutzungskonflikten und steigenden Bodenpreisen betroffen. Anwohnerinnen und Anwohner klagen über Lärm- und Luftbelastung, ökologische Interessen betonen den Erhalt unversiegelter Böden und Kommunen möchten oft lieber Unternehmen ansiedeln, die mehr und besser qualifizierte Arbeitsplätze bieten. Bislang konnte der Flächenbedarf nicht mit ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitszielen harmonisiert werden. Es stellt sich daher die zentrale Frage, wie die ökonomisch bedeutsame wirtschaftliche Funktion Logistik mit übergeordneten Nachhaltigkeitszielen in Einklang gebracht werden kann.

Das Projekt Logist.Plus

Mit dieser Herausforderung befasste sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt Logist.Plus, das die Perspektiven der Logistikwirtschaft, der Kommunen sowie der Bevölkerung integriert. Das Projekt verfolgte das Ziel, ein effizientes und ressourcenschonendes Landmanagement auf regionaler Ebene zu etablieren. Dieses kombiniert übergreifende Governance-Strukturen für Stadt, Stadtumland und ländliche Räume mit kooperativen Ansätzen des betrieblichen Umwelt-, Transport- und Lagermanagements. Ziel ist eine langfristig tragfähige Entwicklung, die sowohl die ökonomischen Interessen der Logistikwirtschaft als auch ökologische und gesellschaftliche Anforderungen berücksichtigt. Dazu wurden verschiedene Teilziele verfolgt: 

  • Entwicklung von Indikatoren zur Bewertung regionaler Entwicklungen sowie zur Identifikation von Zielkonflikten zwischen relevanten Akteuren
  • Flächeneinsparen durch koordinierte, kooperative und flexible Flächennutzung sowie durch synergetische Logistikprozesse
  • Ökologische Optimierung von Standortwahl und Standortgestaltung
  • Nachhaltige Sicherung der Entwicklungsmöglichkeiten von Logistikunternehmen
  • (Weiter-)Entwicklung von Instrumenten zur Reduktion von Landnutzungskonflikten und zur Stärkung der Kooperation zwischen Akteuren in Stadt, Stadtumland und ländlichen Räumen
  • Entwicklung von Szenarien für regionale Flächennutzungsstrukturen und Ableitung praxisorientierter Handlungsempfehlungen

Als Pilotregion diente der Verflechtungsraum aus Stadt Osnabrück, Landkreis Osnabrück und Kreis Steinfurt. Der im Projekt Logist.Plus entwickelte Handlungsleitfaden für eine nachhaltige Gestaltung von Logistikstandorten zeigt praxisnahe Ansatzpunkte, die ökologische, soziale und ökonomische Dimensionen verbinden. Ziel ist es, Unternehmen jeder Größe zu befähigen, ihre Standorte zukunftsfähig zu gestalten. Im Folgenden werden die zentralen Eckpfeiler des Handlungsleitfadens zusammengefasst dargestellt. Eine ausführliche Version ist über die Homepage des Projektes abrufbar (https://logistplus.wilabonn.de/).

Flächeneffizienz und Flächennutzung

Die Logistik benötigt große Flächen für Lagerung und Infrastruktur, was erhebliche Auswirkungen auf Böden und Ökosysteme hat (Dethloff, Hüer, Griese & Franz, 2021). Effiziente Flächennutzung beginnt mit kompakten Immobilienlayouts und der Nutzung von größeren Gebäudehöhen. Mehrstöckige Logistikzentren und City-Logistik-Hubs sind Beispiele für urbane Lösungen, die den Flächenverbrauch reduzieren. Technologische Innovationen wie automatisierte Kommissioniersysteme und flexible Regallösungen maximieren die Raumauslastung. Kooperationen in Logistikagglomerationen, etwa durch gemeinsame Nutzung von Verkehrsflächen und Büroinfrastruktur, erhöhen die Effizienz zusätzlich (Kotzold, Hüer, Griese & Franz, 2021). Digitalisierung und Drohnentechnologien bieten ergänzende Potenziale, wobei ökologische Risiken berücksichtigt werden müssen.

Brachflächenentwicklung und Kreislaufwirtschaft

Angesichts des Flächenmangels in urbanen Regionen gewinnt die Revitalisierung von Brachflächen an Bedeutung. Die Nutzung bereits versiegelter Flächen reduziert die Neuversiegelung und schont Ressourcen (Franz, Pahlen, Nathanail, Okuniek & Koj, 2006). Zentral gelegene Brownfields sind besonders für die „letzte Meile“ geeignet und bieten gute Verkehrsanbindungen (Dethloff, Hüer, Griese & Franz, 2021). Parallel dazu gewinnt das Cradle-to-Cradle-Prinzip an Bedeutung: Bauprodukte werden bereits in der Planungsphase auf Wiederverwendbarkeit geprüft. Pre-Demolition-Audits ermöglichen die Rückführung von Rohstoffen in neue Bauprojekte (Wahlström et al., 2019). Damit wird die Bauwirtschaft stärker in Richtung Kreislaufwirtschaft ausgerichtet (Busch, 2023).

Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von Logistikimmobilien

Um Fehlinvestitionen zu vermeiden, sind flexible Bauweisen entscheidend. Modulare Immobilien lassen sich umbauen oder erweitern und bieten Drittverwertbarkeit (Dethloff, Hüer, Griese & Franz, 2021). Nachhaltige Materialien wie Holz erleichtern die Rückführung in den Materialkreislauf. Multi-User-Logistikimmobilien ermöglichen die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur und senken Kosten. Sie fördern auch sektorübergreifende Kooperationen und erhöhen die Anpassungsfähigkeit an Marktveränderungen (Kotzold, Hüer, Griese & Franz, 2021).

Nachhaltige Transportlösungen

Der Straßengüterverkehr ist im Rahmen der Logistik Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen (Zschausch & Rosenberger, 2023). Alternative Antriebe wie Elektromobilität, Wasserstoff und Biokraftstoffe bieten Potenziale, erfordern jedoch Infrastruktur und staatliche Förderung (Zschausch et al., 2025). Intermodale Transportketten kombinieren verschiedene Verkehrsträger und reduzieren Emissionen. Umschlagterminals und Gleisanschlüsse sind zentrale Voraussetzungen. Staatliche Förderprogramme wie die „Richtlinie zur Förderung des Schienengüterverkehrs“ unterstützen den Ausbau (Hüer, Kotzold & Griese, 2023; Fehr, 2023).

Energieeffizienz und Emissionsreduktion

Die Klimaziele der EU (2050) und Deutschlands (2045) erfordern klimaneutrale Logistikstandorte. Energieeffizienz ist dabei ein zentraler Hebel (Zschausch et al., 2025). Optimierte Standortlayouts, Dämmung und kurze Transportwege im Gebäude senken den Verbrauch (Kotzold, Hüer, Griese & Franz, 2021). Technologien wie energiesparende Beleuchtung, schnellschließende Tore und Energierückgewinnungssysteme bieten Einsparpotenziale. Erneuerbare Energien – insbesondere Photovoltaik auf Dächern und an Fassaden – sowie Speicherlösungen verbessern die Eigenversorgung (Möller et al., 2017). Kooperationen mit Nachbarbetrieben ermöglichen sektorübergreifende Lösungen, etwa durch Abwärmenutzung (Angstmann et al., 2022).

Klimaresilienz

Versiegelte Flächen erhöhen die Anfälligkeit für Hitze und Überschwemmungen. Maßnahmen wie Teil- oder Vollentsiegelung sowie durchlässige Beläge steigern den Oberflächenabfluss und reduzieren Hitzeinseln (Schurat, Brauckmann, Raabe, Loeffke, Keweloh & Broll, 2023). Begrünungskonzepte – Dach- und Fassadenbegrünung, großkronige Bäume und integriertes Regenwassermanagement – verbessern das Mikroklima und steigern die Aufenthaltsqualität (Sieber, 2019; Sieber, 2020). Kombinationen von Gründächern und Photovoltaikanlagen erhöhen zudem die Effizienz der Energiegewinnung. Nachbarschaftliche Lösungen wie energetisch vernetzte Quartiere fördern gemeinsame Energieversorgung und Speichertechnologien. Die Mitarbeiterbeteiligung bei Begrünungsprojekten steigert Akzeptanz und Identifikation (Bosold et al., 2024).

Stakeholder-Dialog und Akzeptanz

Die Ansiedlung von Logistikunternehmen führt häufig zu Nutzungskonflikten. Ein effektiver Stakeholder-Dialog ist daher entscheidend (Schumacher, Bücken, Franz & Griese, 2025). Relevante Akteure sind lokale Gemeinschaften, Behörden, Umweltorganisationen und Unternehmen. Dialogstrukturen wie runde Tische, Mediationsprozesse und Workshops fördern Transparenz und Kompromissbereitschaft. Unternehmen können durch den Einsatz umweltfreundlicher Technologien und der Förderung sozialer Verantwortung Vertrauen schaffen. Nachhaltige Landnutzungskonzepte wie ökologische Ausgleichsflächen oder Hybridnutzungen verbinden ökonomische und soziale Interessen.

Fazit

Die nachhaltige Gestaltung von Logistikstandorten ist eine große Herausforderung für die Logistikwirtschaft. Der skizzierte Leitfaden zeigt, dass Investitionen in Technologien, erneuerbare Energien und flexible Bauweisen nicht nur ökologische Vorteile schaffen, sondern auch ökonomische Sicherheit bieten.

Dabei besonders hervorzuheben sind:

  • Revitalisierung von Brachflächen statt Neuversiegelung,
  • modulare und flexible Immobilienkonzepte,
  • Förderung alternativer Antriebe und intermodaler Transportketten,
  • Energieeffizienz und erneuerbare Energien,
  • Maßnahmen zur Klimaresilienz,
  • sowie ein intensiver Stakeholder-Dialog.

Damit entsteht ein integrativer Ansatz, der ökologische Verantwortung, soziale Akzeptanz und ökonomische Wettbewerbsfähigkeit verbindet. Nachhaltigkeit wird so zum strategischen Erfolgsfaktor für die Logistikwirtschaft.

Basis der Zusammenfassung ist der Handlungsleitfaden zur nachhaltigen Logistikstandortgestaltung von: Hüer, L., Bosold, M., Bücken, F., Franz, M., Rohkemper, M. Rosenberger, S., Schumacher, K., Suthe, C., Zschausch, F., Griese, K.-M. (2025)

Quellen:

Angstmann, M., Wolf, R., Wolf, V. & Wolf, T. (2023). Symbiotisches Wirtschaften als Ansatz zur Weiterentwicklung von Bestandsgewerbegebieten. Standort – Zeitschrift für angewandte Geographie, 47, 40–45.

Bosold, M.; Broll, G; Schurat, V.; Bücken, F. und Boeisserée-Frühbuss, H. (2024): Gestaltungsempfehlungen für eine nachhaltige Entwicklung von Gewerbeflächen unter besonderer Berücksichtigung der Logistikbranche. Wissenschaftsladen Bonn e.V., Bonn.

Busch, K. (2023). Die Logistik als Möglichmacher einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft. In Die Neuerfindung der Logistik: Wie sich die Logistikindustrie für das Zeitalter der Volatilität rüstet (pp. 99-114). Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.

Dethloff, A., Hüer, L., Griese, K. M., & Franz, M. (2021). Flächensparende Logistik als Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung am Beispiel der Waldbach Fulfillment Logistik e. K. Nachhaltiger Konsum: Best Practices aus Wissenschaft, Unternehmenspraxis, Gesellschaft, Verwaltung und Politik, 645-658.

Fehr, L. (2023). Analyse des Einflusses externer Kosten auf wohlfahrtsorientierte Fördermaßnahmen zur Verkehrsverlagerung von der Straße auf den intermodalen Schienengüterverkehr (Doctoral dissertation, Wien)

Franz, M., Pahlen, G., Nathanail, P., Okuniek, N., & Koj, A. (2006). Sustainable development and brownfield regeneration. What defines the quality of derelict land recycling?. Environmental Sciences, 3(2), 135-151.

Hüer, L., Kotzold, D., & Griese, K. M. (2023). Logistikunternehmen und die Erreichung der Sustainable Development Goals. Ökologisches Wirtschaften-Fachzeitschrift, 38(3), 40-45.

Kotzold, D., Hüer, L., Griese, K. M., & Franz, M. (2021). Flächensparen in der Planung von Logistikimmobilien. Standort, 45, 155-160.

Möller, C., Pfeif, A., Faulstich, M., Rosenberger, S. (2017). Batteriespeicher in Industrie und Gewerbe – Strombezugskosten und wirtschaftliche Einsatzmöglichkeiten. BWK 69, Nr. 7/8, 52-56.

Schumacher, K.P., F. Bücken, M. Franz & K.-M. Griese (2025). Herausforderung Logistik – Kommunikation für ein nachhaltiges Flächenmanagement. Henn, S., Zimmermann, T., Braunschweig, B. (Hrsg.) Stadtregionales Flächenmanagement. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg

Schurat, V., Brauckmann, H.-J., Raabe, M., Loeffke, P., Keweloh, K. & Broll, G. (2023). Flächeninanspruchnahme und Versiegelung durch Logistikstandorte. Bodenschutz in der Region Osnabrück/Steinfurt. In: Bodenschutz 04/23, 116-120 (2023)

Sieber, S. (2019). Gewerbegebiete im Wandel: Wie Gewerbegebiete in Marl, Remscheid und Frankfurt Biodiversität und Klimaschutz verbinden. Transforming cities, 4(3), 70-75.

Sieber, S. (2020). Grün statt Grau. Klimaanpassung und Stadtnatur – ein Thema für Gewerbe. Stadt+Grün, Heft 6/2020, S. 32-36

Wahlström, M., zu Castell-Rüdenhausen, M., Hradil, P., Hauge-Smith, K., Oberender, A., Ahlm, M., … & Hansen, J. B. (2019). Improving quality of construction & demolition waste: Requirements for pre-demolition audit. Nordic Council of Ministers.

Zschausch, F., & Rosenberger, S. (2023). Energy consumption and greenhouse gas emissions arising from logistical activities within the field of road transportation: A review of annual balances and mitigation measures. Logistics Research, 16(1), 1-35.

Zschausch, F., Halbe, J., Rosenberger S. (2025). Quantitative evaluation of environmental impacts and mitigation measures for transport logistics companies— insights through Modelling of an exemplary site. Energy Reports. Volume 13, June 2025, Pages 3291-3311. DOI:10.1016/j.egyr.2025.02.037.

Zu den Personen

Prof. Dr. Martin Franz ist Projektleiter des Projektes Logist.Plus (https://www.logist-plus.de/) und ist Professor für Humangeographie mit wirtschaftsgeographischem Schwerpunkt an der Universität Osnabrück. Er beschäftigt sich unter anderem mit der nachhaltigen Transformation der Logistik sowie von Agrifood-Netzwerken und Landnutzung sowie mit den Reaktionen unterschiedlicher Akteur*innen auf Risiken und Krisen.

Maike Bosold ist Geographin und Bodenkundlerin. Sie ist Geschäftsführerin des Bundesverbandes Boden e.V. (BVB) und Koordinatorin der Weiterbildung „Zertifizierung Bodenkundliche Baubegleitung“ mit der Universität Osnabrück sowie Redakteurin der Zeitschrift Bodenschutz. Für das Europäische Bodenbündnis ELSA e.V. war sie im Projekt LogistPlus für die Aspekte des Bodenschutzes zuständig.

Kai-Michael Griese ist seit 2009 Professor für Marketing an der Hochschule Osnabrück. Im Rahmen seiner langjährigen Forschungs- und Lehraktivitäten geht er vor allem der Frage nach, wie Unternehmen ökonomisch erfolgreich eine sozial-ökologische und damit nachhaltige Transformation realisieren können. Dabei werden derzeit im Schwerpunkt kreislauforientierte Geschäftsmodelle und Resilienz- sowie Klimaanpassungskonzepte untersucht und entwickelt. 

Die Projektseite von Logist.Plus findet sich unter:
https://logistplus.wilabonn.de