Pressemitteilung: DIW-Konjunkturbarometer Mai: Fast zurück auf Los
Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) fällt im Mai deutlich: Mit 94,8 Punkten liegt es nach zwischenzeitlich deutlich höheren Werten nun wieder auf dem Stand von Januar. Die neutrale 100-Punkte-Marke, die ein durchschnittliches Wachstum der deutschen Wirtschaft anzeigt, rückt damit wieder in weitere Ferne. „Vor allem der Ausbruch des Iran-Krieges und dessen Folgen haben dazu beigetragen, dass sich das Konjunkturbild seit März wieder deutlich eingetrübt hat", sagt DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. „Die Hoffnung auf einen merklichen Aufschwung der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ist weitgehend Ernüchterung gewichen – quasi fast zurück auf Los", so Dany-Knedlik. Der Rückgang spiegelt vor allem die eingetrübten Aussichten für die kommenden Quartale wider. Obwohl die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2026 mit plus 0,3 Prozent im Vergleich zum Schlussquartal 2025 noch kräftig expandiert hat, dürfte sie nun deutlich an Dynamik verlieren. Die Kriegshandlungen und die deshalb stark gestiegenen Öl- und Gaspreise haben den Inflationsdruck und die wirtschaftliche Unsicherheit merklich erhöht; vor allem die privaten Haushalte bekommen die Preissteigerungen deutlich an der Zapfsäule zu spüren, trotz Tankrabatt. Auch die Risiken für internationale Lieferketten sowie für die Verfügbarkeit bestimmter Produkte, beispielsweise Düngemittel, haben zugenommen. Stützend wirken hingegen die Konjunkturpakete der Bundesregierung. In der deutschen Industrie bleibt die Lage schwierig und von der hohen Unsicherheit geprägt. Mit Kriegsbeginn hat die Anfang des Jahres aufkommende vorsichtige Zuversicht einen empfindlichen Dämpfer erlitten. Im Mai verschlechterten sich die ifo-Geschäftserwartungen in der Industrie weiter. Immerhin verbesserte sich die Beurteilung der aktuellen Lage. Auch der vorläufige Einkaufsmanagerindex hat sich im Mai verringert, bleibt aber noch minimal in der Wachstumszone. Sofern sich die Krise im Nahen Osten einigermaßen stabilisiert, dürften in den kommenden Monaten staatliche Nachfrageimpulse – insbesondere aus dem Verteidigungsbereich – zu einer vorsichtigen Aufwärtsdynamik beitragen. Ein deutlicher und nachhaltiger Aufschwung ist aber momentan noch nicht in Sicht. „Viele Industrieunternehmen verschieben derzeit Investitions- und Einstellungsentscheidungen, weil die geopolitischen Risiken kaum kalkulierbar sind", sagt Laura Pagenhardt, DIW-Konjunkturexpertin. „Das bremst insbesondere jene Branchen, die ohnehin mitten in der Transformation stecken." (....)
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