Europäische Zentralbank: Geldpolitische Beschlüsse (29. Oktober 2026)
Der EZB-Rat hat heute beschlossen, die drei Leitzinssätze der EZB unverändert zu belassen. Die Energiepreise sind weiter gestiegen, was Aufwärtsrisiken für die Inflationsaussichten und Abwärtsrisiken für die Wachstumsaussichten mit sich bringt. Während der Energieschock seine volle Wirkung noch entfaltet, ist die zugrunde liegende Inflation bislang weitgehend stabil geblieben, und die Löhne zeigen zum jetzigen Zeitpunkt keine wesentliche Reaktion. Das größere Ausmaß und die längere Dauer des Energieschocks sowie die Auswirkungen auf indirekte Effekte und Zweitrundeneffekte dürften die Inflation in die Höhe treiben und das Wachstum schmälern. Die Finanzierungsbedingungen haben sich seit der letzten Sitzung des EZB-Rats verschärft, was die Inflation und das Wachstum dämpfen dürfte. Der EZB-Rat ist fest entschlossen, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 % stabilisiert.
https://www.ecb.europa.eu/press/pr/date/2026/html/ecb.mp261029~9a493adf17.de.html
Kiel Institut für Weltwirtschaft: Zinsen am Inflationsausblick orientieren, nicht am französischen Bondmarkt (29.10.2026)
Lena Dräger, Forschungsdirektorin der Gruppe Monetäre Makroökonomie am Kiel Institut für Weltwirtschaft, kommentiert die erwartete Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins voraussichtlich unverändert zu lassen:
„Die EZB dürfte bei ihrer Sitzung am 29. Oktober 2026 den Einlagensatz, ihren maßgeblichen Leitzins, bei 2,50 Prozent belassen. Diese Pause ist richtig, obwohl die Inflation weiter gestiegen ist. Treiber ist erneut die Energie, die 18,9 Prozent mehr kostete als vor einem Jahr. Ohne Energie und Lebensmittel stiegen die Preise dagegen nur um 2,5 Prozent, Dienstleistungen um 3,2 Prozent. Die Löhne haben laut EZB bislang kaum auf den Energiepreisschock reagiert. Die Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten laut einer Umfrage der EZB für die nächsten zwölf Monate zwar noch erhöhte Inflationsraten, auf fünf Jahre sind die Erwartungen aber stabil geblieben. Ein breiter Preisdruck bleibt also bisher aus und die bisherigen Leitzinserhöhungen müssen ihre volle Wirkung noch entfalten.
Zugleich verschärft sich die Lage an den Anleihemärkten, vor allem in Frankreich. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen stieg am 22. Oktober auf den höchsten Stand seit 2002, schon im September musste Frankreich für zehnjährige Kredite mehr zahlen als Italien. Deutsche Bundesanleihen gelten dagegen als sicherer Hafen, ihre Renditen sind im Oktober gesunken. Der Grund für den Anstieg in Frankreich ist das hohe Haushaltsdefizit und eine damit einhergehende ansteigende Staatsverschuldung. Die französische Minderheitsregierung findet für ihren Haushalt 2027 keine sichere Mehrheit, begleitet von heftigen Protesten und Unsicherheiten in Bezug auf die Präsidentschaftswahl im Frühjahr.
https://www.kielinstitut.de/de/medien/aktuelles/zinsen-am-inflationsausblick-orientieren-nicht-am-franzoesischen-bondmarkt/
ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim: ZEW-Ökonom Friedrich Heinemann zur EZB-Zinsentscheidung: „EZB darf Populisten keinen Blankoscheck ausstellen“ (Oktober 2026) (29.10.2026)
Der EZB-Rat hat entschieden, die Leitzinsen unverändert zu lassen. Prof. Dr. Friedrich Heinemann, Leiter des Forschungsbereichs „Unternehmensbesteuerung und Öffentliche Finanzwirtschaft“ am ZEW Mannheim und Professor an der Universität Heidelberg, erklärt dazu:
„Die Krisensituation in Frankreich mindert für die EZB den Handlungsdruck bei den Leitzinsen. Weil die Zinsen für Staatsanleihen in Frankreich nach oben schießen, dämpft dies das Wachstum in der Eurozone. Schlimmer noch könnte die französische Misere in eine neue Schuldenkrise münden. All das gibt denjenigen im EZB-Rat Auftrieb, die jetzt eine längere Pause bei den Zinserhöhungen einlegen wollen. Diese Lage ist äußerst heikel. Es ist deshalb an der Zeit, dass die EZB ihre Strategie offenbart, wie sie eine neue Schuldenkrise verhindern könnte, ohne in Paris den Populisten einen Blankoscheck auszustellen. Ein Weg wären Hilfszusagen für Länder wie Italien, die unverschuldet vom Frankreich-Schock in Mitleidenschaft gezogen werden. Die EZB darf nicht vergessen, dass die Bewahrung der Preisstabilität ihr oberstes Ziel ist. Anleihekäufe von Ländern mit verantwortungsloser Haushaltspolitik sind mit diesem Oberziel nicht vereinbar.“
https://www.zew.de/presse/pressearchiv/zew-oekonom-friedrich-heinemann-zur-ezb-zinsentscheidung
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Stichwörter: Pressemitteilungen zu den Geldpolitischen Beschlüssen der EZB vom 29-10-2026, Europäische Zentralbank (EZB), Leitzinsentscheidung, Geldpolitik, Inflationsaussichten, Energiepreisschock, Preisstabilität, Einlagensatz, Finanzierungsbedingungen, Staatsanleihen, französisches Haushaltsdefizit, Staatsschuldenkrise, Kiel Institut für Weltwirtschaft
Kategorie(n): Märkte & Konjunktur