Pressemitteilungen zur Winterprognose 2025/2026

Konjunktur: RWI senkt Wachstumsprognose – finanzpolitische Impulse bleiben weiter aus / Kiel Institut Winterprognose 2025: Massive Defizite, schwache Dynamik / Konjunktur aktuell: Leichte Belebung kommt, Strukturprobleme bleiben / ifo Institut sieht Wachstum 2026 bei 0,8%

RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (RWI): Konjunktur: RWI senkt Wachstumsprognose – finanzpolitische Impulse bleiben weiter aus (11.12.2025)
Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung senkt erneut seine Wachstumsprognose für Deutschland. Für 2025 erwartet das Institut nur noch ein Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent, für 2026 prognostiziert es 1,0 Prozent und für 2027 unverändert 1,4 Prozent. Damit korrigiert das RWI seine Sommerprognose für die Jahre 2025 und 2026 jeweils um 0,1 Prozentpunkte nach unten. Die erhofften Impulse aus dem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität lassen weiter auf sich warten. Bereits im dritten Quartal stagnierte die deutsche Wirtschaft und auch für das Jahresende zeichnet sich keine spürbare Wende ab. Die Exporte gingen spürbar zurück, insbesondere die in die USA. Auch die privaten Investitionen sanken erneut.
Das Wichtigste in Kürze: 
Der deutschen Volkswirtschaft fehlt weiterhin die Dynamik. So wächst das BIP im Jahr 2025 lediglich um 0,1 Prozent, im Jahr 2026 um 1,0 Prozent und im Jahr 2027 um 1,4 Prozent. Bereits im dritten Quartal stagnierte die Wirtschaftsleistung und auch das Schlussquartal bringt keine Wende. Bisher ist auch nicht zu erkennen, dass staatliche Impulse private Aktivitäten anreizen.
Entgegen den anfänglichen Erwartungen werden die Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität erst im Verlauf des kommenden Jahres nachfragewirksam. Die Effekte fallen zudem weniger kräftig aus – auch weil Bürokratie, politische Abstimmungen und hohe Abgabenlasten bremsen.
Die Exporte – einst das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft – werden zum Problem. Die Ausfuhren sind im dritten Quartal zurückgegangen, insbesondere die in die USA. Grund dafür ist die weiter sinkende Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft. Zusätzlich belasten US-Zölle in Höhe von 15 Prozent auf EU-Importe.
Zugleich halten sich Unternehmen mit privaten Investitionen zurück. Die Ausrüstungsinvestitionen sind im dritten Quartal kaum gestiegen. Grund dafür ist einerseits die schwache Auslandsnachfrage. Andererseits bleiben wirtschaftspolitische Impulse für mehr Standortattraktivität im Inland aus, sodass richtungsweisende Investitionsentscheidungen von Unternehmen immer wieder aufgeschoben werden. Lediglich die öffentlichen Investitionen wurden deutlich ausgeweitet.
https://www.rwi-essen.de/presse/wissenschaftskommunikation/pressemitteilungen/detail/konjunktur-rwi-senkt-wachstumsprognose-finanzpolitische-impulse-bleiben-weiter-aus

Kiel Institut für Weltwirtschaft: Kiel Institut Winterprognose 2025: Massive Defizite, schwache Dynamik (11.12.2025)
Die deutsche Wirtschaft hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Für mehr als ein mageres Plus von 0,1 Prozent reicht es in diesem Jahr jedoch nicht, zeigt die Winterprognose des Kiel Instituts für Weltwirtschaft. Ab dem kommenden Jahr setzt die expansive Fi-nanzpolitik zwar konjunkturelle Impulse, die aber geringer ausfallen, als bislang erwartet. Das Kiel Institut rechnet 2026 mit einer Zuwachsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,0 Prozent (bislang 1,3 Prozent) und 2027 von 1,3 Prozent. Bremsend wirken neben strukturellen Hemmnissen auch die schwächelnden Exporte aufgrund der US-Zollpolitik und rückläufigen Ausfuhren nach China.
Eckdaten Deutschland (2024 -2027)
„Die vielen strukturellen Probleme im Sozialsystem, die Überbürokratisierung oder der Rückstand bei Künstlicher Intelligenz und anderen modernen Technologien lassen Deutschlands Wirtschaft auf der Stelle treten“, sagt Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts. „Es ist insgesamt enttäuschend, dass wir für das kommende Jahr nicht mehr als ein Prozent Zuwachs erwarten können, obwohl die Bundesregierung hohe Schulden aufnimmt und die staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung erhöhen will.
https://www.kielinstitut.de/de/publikationen/aktuelles/kiel-institut-winterprognose-2025-massive-defizite-schwache-dynamik/

Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH): Konjunktur aktuell: Leichte Belebung kommt, Strukturprobleme bleiben (11. Dezember 2025)
Zum Jahresende 2025 ist weiterhin unklar, ob sich die deutsche Wirtschaft auf Erholungskurs befindet, zumal die Exportschwäche auch im Herbst andauert. Dennoch ist für das Jahr 2026 aufgrund von finanzpolitischen Impulsen und gestiegenen Realeinkommen eine leichte Belebung zu erwarten. Nach der Winterprognose des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) dürfte die Produktion dann um 1,0% zunehmen, nach 0,2% im Jahr 2025. Im September waren die IWH-Konjunkturforscher von einem Zuwachs von 0,8% für 2026 und 0,2% für das laufende Jahr ausgegangen. In Ostdeutschland wird die Expansionsrate im Jahr 2026 nach der vorliegenden Prognose demographisch bedingt wohl etwas niedriger ausfallen.
Tabelle: Gesamtwirtschaftliche Eckdaten der Prognose des IWH für Deutschland in den Jahren 2024 bis 2027
Die internationale Konjunktur scheint am Ende des Jahres 2025 weiter robust. Angesichts der amerikanischen Hochzollpolitik ist insbesondere die Stärke des Welthandels bemerkenswert. Von der Wirtschaftspolitik dürften im Jahr 2026 per saldo keine großen Impulse ausgehen. Dabei dürfte sich die weltwirtschaftliche Expansion etwas abschwächen. Die US-Konjunktur wird zwar von den hohen Investitionen im Tech-Sektor gestützt, die recht hohe Inflation und ein schwächelnder Arbeitsmarkt werden aber den privaten Konsum belasten. Im Euroraum dürfte sich die wirtschaftliche Expansion, gestützt von steigenden Reallöhnen, in geringem Tempo fortsetzen. Aus dem Boom um die wirtschaftliche Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) ergeben sich Chancen und Risiken. So erfolgt in jüngerer Zeit die Finanzierung der KI-Investitionen zunehmend über weniger transparente Instrumente und Kredite, wovon Gefahren für die Stabilität der Finanzmärkte ausgehen könnten. Auch die hohe und steigende Staatsverschuldung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften stellt ein Risiko dar, zumal sich in vielen Ländern kaum mehr parlamentarische Mehrheiten für durchgreifende Reformen finden lassen.
https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/konjunktur-aktuell-leichte-belebung-kommt-strukturprobleme-bleiben

ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.: ifo Institut sieht Wachstum 2026 bei 0,8% (11. Dezember 2025)
Das ifo Institut hat seine Wachstumsprognose nach unten korrigiert. Für 2026 erwartet es ein Wachstum von 0,8%. Auch für dieses Jahr rechnet das Institut nur noch mit 0,1% Wachstum. „Die deutsche Wirtschaft passt sich dem Strukturwandel durch Innovationen und neue Geschäftsmodelle nur langsam und kostspielig an“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Zusätzlich werden Unternehmen und Neugründungen im Besonderen durch bürokratische Hürden und eine veraltete Infrastruktur behindert.“
Gegenüber der Herbstprognose reduziert das ifo Institut seine Prognose für 2025 um 0,1 Prozentpunkte, für 2026 und 2027 um jeweils 0,5 Prozentpunkte. Für 2027 liegt die Wachstumsprognose nun bei 1,1%. Die US-Zollpolitik belastet die deutsche Exportwirtschaft nach wie vor spürbar. Laut ifo Prognose dämpfen die höheren US-Zölle das Wachstum 2025 um 0,3 Prozentpunkte und 2026 um 0,6 Prozentpunkte. „Die Unsicherheit durch die Zölle bleibt hoch, auch wenn die akuten Konflikte zwischen den USA und der EU entschärft wurden“, so Wollmershäuser. Die Weltwirtschaft wächst zwar in den Jahren 2025 bis 2027 moderat um durchschnittlich 2,5% pro Jahr, doch die deutsche Industrie profitiert davon nicht und verliert weiter an Wettbewerbsfähigkeit.
Die geplanten staatlichen Investitionen aus den Sondervermögen Infrastruktur und Verteidigung sowie weitere Entlastungen für Unternehmen und Verbraucher wirken nur verzögert. Für 2026 wird ein Wachstumseffekt von 0,3 Prozentpunkten und für 2027 von 0,7 Prozentpunkten erwartet. „Die Maßnahmen der Bundesregierung helfen kurzfristig, aber sie reichen nicht aus, um langfristig die Produktionskapazitäten der deutschen Wirtschaft auszuweiten“, warnt Wollmershäuser.
https://www.ifo.de/pressemitteilung/2025-12-11/ifo-institut-sieht-wachstum-2026

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Quellen: die oben genannten Quellen

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Kategorie(n): Märkte & Konjunktur