Statement: Digitale Souveränität als industriepolitische Priorität

Prof. Dr. Katharina Erhardt, Leiterin des Industrial Policy Labs am Kiel Institut, kommentiert die Entscheidung der US-Regierung, den Zugang zu fortschrittlichen KI-Modellen für Ausländer einzuschränken:
„Die USA haben demonstriert, dass sie bereit sind, selbst engen Verbündeten den Zugang zu modernsten KI-Technologien zu verwehren. Das ist ein Warnsignal, das Europa ernst nehmen muss.
Noch immer scheint die verbreitete Hoffnung zu sein, Europa könne sich darauf beschränken, auf dem technologischen Fortschritt der USA aufzusatteln: Die Infrastruktur, die Rechenkapazität, die Basismodelle kommen aus Amerika, während Europa Anwendungen baut und so mittelbar vom KI-Fortschritt profitiert. Diese Arbeitsteilung mag ökonomisch kurzfristig rational erscheinen. Strategisch ist sie es nicht. Wer die Grundlagentechnologie baut, kontrolliert den Zugang. Eigene Anwendungen darauf zu setzen, schafft keine Souveränität, solange das Fundament in fremder Hand liegt.
Dabei denkt Europa kritische Abhängigkeiten noch immer zu kleinteilig. Die Debatte über strategische Abhängigkeiten konzentriert sich auf Chips und Seltene Erden. Dabei ist der Zugang zu modernsten digitalen Technologien, allen voran KI, mindestens ebenso kritisch. KI ist dreifach strategisch: Sie ist erstens ein zentraler Produktionsfaktor und wichtige Zukunftstechnologie, die Produktivität und Wertschöpfung in nahezu allen Wirtschaftsbereichen bestimmt. Sie schafft zweitens geoökonomische Abhängigkeiten. Wer bei einer Schlüsseltechnologie von außen abhängig ist, kann unter wirtschaftlichen und politischen Druck gesetzt werden. Und sie ist drittens sicherheitspolitisch relevant: militärische Handlungsfähigkeit wird zunehmend durch KI-Kapazitäten mitbestimmt. (....)

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Quelle: Kiel Institut für Weltwirtschaft

Stichwörter: Kiel Institut für Weltwirtschaft, digitale Souveränität, KI‑Technologien, US‑Exportbeschränkungen, technologische Abhängigkeit, Europa, Industriepolitik, Marktversagen, Fixkosten, Monopolisierung, geoökonomische Abhängigkeiten, sicherheitspolitische Relevanz, KI‑Grundlagentechnologie, strategische Autonomie

Kategorie(n): Märkte & Konjunktur